Der Fukushima GAU: Ein menschliches Versagen

Erstellt am: 11.07.2012 | von: Schmidt

Der Bericht der japanischen Untersuchungskommission zeigt deutlich, dass die Verantwortlichen der Fukushima Katastrophe versäumt haben, geeignete Massnahmen zum Schutz der Anlage einzuleiten. Japans Parlament findet klare Worte. Es handle sich um eine «von Menschen verursachte Katastrophe».

Die Kommission kommt zum Schluss, dass das Risiko des beinahe 15 Meter hohen Tsunami dem AKW-Betreiber Tepco, der Verwaltung und auch der Regierung bekannt war. Der Bericht führt aus, dass «obwohl sie bei zahlreichen Gelegenheiten Massnahmen hätten ergreifen können, unternahmen die Aufsichtsbehörden und die Tepco-Führung absichtlich nichts». Die Betreibergesellschaft Tepco widerspricht und stiehlt sich aus der Verantwortung. Das Ausmass der Katastrophe sei «unvorhersehbar» gewesen.

Die Katastrophe in Fukushima und der Bericht der Untersuchungskommission zeigen, dass auch ein hochmodernes Land, wie die Schweiz, ungenügend auf vergleichbare Katastrophen vorbereitet ist. Seit anfangs Jahr blieben auch die AKW Beznau II und Mühleberg nicht von Störfällen verschont. Hochwasser und mangelhaft verstärkte Stauwehre stellen in der Schweiz ein Risiko für die maroden Atomkraftwerke dar. Weiter brechen auch die Vorwürfe der letzten Wochen ans ENSI, die Nagra und das BFE nicht ab. Man spricht von Verbandelung zwischen AKW Betreibern und Aufsichtsbehörde, fehlendem Fachwissen und Verfahrensfehlern. Die zahlreichen Mängel sind bekannt, das Besprechen schützender Massnahmen wird vertagt und ein menschengemachtes Desaster kann auch in der Schweiz nicht ausgeschlossen werden. Und trotzdem sollen Investitionen in der Höhe von CHF 700 Mio. in die alten Reaktoren Beznau I und II aufgeboten werden. In Anbetracht der sinkenden Preise im Bereich der erneuerbaren Energien werden sich die Verantwortlichen die Frage stellen müssen, warum sie aufs falsche Pferd gesetzt haben. Aus wirtschaftlicher Sicht eine weitaus rentablere Investition.

«Bericht: Fukushima-Katastrophe war vermeidbar» Tages Anzeiger online vom 5. Juli 2012

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